Tag 3 „Vom No-Name-Autor zum Doku-Film“

Gott schenke mir Geduld – aber zackig!

 

So langsam bekam ich zu spüren, dass die Strategie hinter meinem Marketing-Plan in großen Teilen funktionierte. Aber alles dauerte seine Zeit. Niemand hatte auf die kleine No-Name-Autorin gewartet und überschlug sich vor Freude, über mein Projekt berichten zu dürfen. Dennoch griff so langsam mein Plan, dass Medienvertreter auch immer auf der Suche nach einer guten Story sind und bei der Themenrecherche Zeitungen wälzten und/oder Fernsehen schauten.

Der Artikel der HNA in Kassel und Umgebung erschien am 23.4.2013.
Eben diesen Artikel las eine RTL-Hessen-Redakteurin, die für eine Produktions-Firma in Kassel arbeitete. Neugierig geworden, kontaktierte sie mich per Mail. Sie hätte Interesse, einen Kurzbericht für das regionale Abendfernsehen zu drehen. Beitragslänge ca. 5 Minuten. Das war grandios – mein allererster TV-Bericht! Und vor allem: ohne, dass ich aktiv an den Sender herangetreten wäre.

Ich war aber auch skeptisch: RTL. Hat ja nicht wirklich den besten Ruf. Und wenn ich eines in keinem Fall wollte, dann dass meine Biographie in Trash-Formaten zerpflückt und entwertet wurde.
Es gab lange Telefonate zwischen der Redakteurin und mir, in denen die Motive für den TV-Beitrag klar offengelegt und meine bohrenden Fragen beantwortet wurden. Mit dem Versprochenen konnte ich gut leben, alles ging mit meinen eigenen Werten konform.

Dennoch bestätigte sich in diesem Zusammenhang wieder eindeutig, dass bei den Medien von der Kontaktaufnahme bis hin zum letztendlichen Bericht – egal, ob Print oder TV – immer eine Menge Zeit ins Land geht.
Wenn man dabei eines lernt, dann ist das Geduld. Was ja aber nicht das Schlechteste ist, denn auch in diesem Report sollte mein Buch groß in Szene gesetzt werden. Das bedeutete, dass erst nach der Buchveröffentlichung gedreht werden würde. Aber dafür wartet man doch gerne.

 

Der Druck mit dem Druck

 

Meine Planung war nach wie vor, dass ich mein gedrucktes Buch am 1.6.2013 in den Händen halten wollte. Das CrowdFunding-Projekt lief bis 1.5., was hieß: bis dahin war nicht hundertprozentig sicher, ob ich alle Menschen, die an meinem Projekt mitarbeiteten, auch würde direkt und ohne Zeitverzögerung bezahlen können. Jedoch habe ich das alle von Beginn an wissen lassen, damit also nie hinterm Berg gehalten.
Aber ich glaubte so fest an mein Herzens-Projekt – das musste einfach klappen!

Auf Nachfrage bei tredition, wann ich das druckfähige Manuskript samt Cover einreichen müsse, um es bis zum 1.6. zu schaffen, erhielt ich die Antwort, dass zwei Wochen vorher ausreichend seien.
Okay, 15.5. war absoluter Stichtag. Bis dahin musste alles stehen. Und bis dahin würde ich auch wissen, ob ich es geschafft hatte, die 6.000 Euro aufzutreiben.
Es war dennoch tatsächlich ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn mittlerweile blieben lediglich 16 Tage, bis das CrowdFunding als gelungen oder gescheitert zu bewerten war.
Und es fehlten noch sage und schreibe 2.243 Euro! Kein Pappenstiel, will ich meinen. Was die ersten Unkenrufer und Pessimisten zum Anlass nahmen, durch vermeintlich aufmunternde Mails ihr Mitgefühl und Bedauern auszudrücken, dass ich nicht traurig sein solle. Irgendwie anders würde es schon werden mit dem Buch.
Pah! Was zu beweisen wäre!

 

Die Uhr tickt

 

Das spannende am CrowdFunding ist ja, dass der Projektinhaber entweder alles, oder gar nichts erhält. Das bedeutet: sollte mein anvisierter Betrag von 6.000 Euro auch nur um 10 Euro verfehlt werden und somit nicht zustande kommen, fließen alle bis dahin eingegangenen Zahlungen wieder ohne Abzug an die Unterstützer zurück. Erst bei erfolgreichem Abschluss erhält der CrowdFunder auch das Geld.
In der Gegenleistung gibt er dann den Unterstützern die vorher definierten „Dankeschöns“, die in Preisstufen unterteilt ist.
Bei mir war es so, dass – je nach Höhe der Unterstützung – die Spender am Schluss des Buchs genannt werden, namentlich und mit Foto, teils auch mit den Firmenlogos bis hin zu ganzen Werbeanzeigen.
Daher weigerte ich mich kategorisch, 16 Tage vorher aufzugeben!
Ich musste einfach nur noch einige Investoren finden, die bereit waren eine Anzeige in einem Buch zu schalten, das es noch gar nicht gab.

Wir arbeiteten alle wie die Wilden weiter an der Realisierung: die Lektoren; Jana mit dem Cover; der Anwalt, der parallel das Manuskript las; Norbert, der sich mit der Integration der Zeitungsausschnitte quälte. Die Variante, sie als Bilder einzubinden, funktionierte nicht, besser gesagt, sah einfach nicht gut aus und wäre nicht mehr lesbar geworden.
Sein Vorschlag: „Tippe bitte alle Artikel, die ins Buch rein sollen ab, dann können die Pseudonymisierungen gleich eingebaut werden. Ich hebe sie dann als Zeitungsartikel vom Rest des Textes ab. So geht das alles leichter.“

Na, super!

Wie sollte ich es jetzt noch schaffen, zusätzlich zu allem anderen, 12 große Zeitungs-Artikel abzutippen?
Da fiel mir wieder die Facebook-Community ein: warum bitte ich nicht einfach um Hilfe, wenn ich welche benötige?
Kurzerhand fragte ich in die Fangemeinde, wer Lust und vor allem Zeit hätte, mir kurzfristig beim Abtippen zu helfen.
Ich konnte gar nicht so schnell die Sekunden zählen, wie drei liebe Mädels sich sofort bereit erklärten, mir in Rekordzeit die Artikel zu transkribieren. Meine Rettung!
Nicht mal eine Stunde später konnte ich Norbert die abgetippten Artikel fürs Layout zusenden.

 

Alle anderen am Projekt Beteiligten klotzten ebenfalls ran und ich war am Rande meiner Kräfte.
Janas Cover war 4 Tage vor Ablauf der CrowdFunding-Zeit fertig und ich konnte es überall stolz präsentieren: auf meinem Facebook-Privatprofil, auf der Fanpage, auf Xing, etc. Konnte dadurch noch einmal in einem Aufbäumen alle Reserven mobilisieren und die Buschtrommeln schlagen, bis meine Finger blutig waren.

 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

 

Es läpperte sich langsam zusammen. Aber wirklich GANZ langsam.
3 Tage verblieben noch. Und es gab einige Unterstützer, die tatsächlich mehrmals gespendet hatten. Einfach, weil sie wie ich an mein Projekt glaubten und mein Buch realisiert sehen wollten.
Ich ging im Kopf noch einmal durch, wen ich schon kontaktiert und über mein Projekt informiert hatte, beziehungsweise wen nicht.
Da fiel mir urplötzlich noch einer meiner Ausbilder ein! Menschenskinder – den NLP-Matthias hatte ich ja völlig vergessen! Und das, obwohl er im Rahmen meines Ausbildungsmarathons sogar in meinem Buch erwähnt wird.
Ich war eindeutig überarbeitet. Wie konnte ich Matthias nicht informiert haben?
Egal – keine Zeit zu verlieren, ich musste ihm eine Mail schreiben. Er kannte meine Geschichte, zumindest in groben Zügen, und würde mir bestimmt mit ein paar Euro unter die Arme greifen.

 

Matthias Schwehm war der rettende Engel! 2 Tage und um die 1000 Euro vom Ziel entfernt, am 29.4. um 23:53 Uhr erhielt ich eine Mail von ihm:

Da bin ich aber bald vom Stuhl gefallen! Ich hätte ihn knutschen und gleichzeitig die ganze Welt umarmen können! Neben der Anzeige für sein Unternehmen, das man hinten im Buch neben einigen anderen der Supporter finden kann, ist er auch derjenige, dem ich zusätzlich explizit außen auf der Buchrückseite gedankt habe.
Hier geht’s zu seiner Website: www.matthias-schwehm.de
(Und wieder dürft ihr die Bücher in die Hand nehmen und nachschauen.)

 

Geschafft!

 

Ich war überglücklich und schlief in dieser Nacht vom 29.4. das erste Mal seit Wochen, vielleicht sogar seit Monaten, lange und vor allem durch.
Nun konnte ich alle helfenden Hände darüber informieren, dass jeder seine finanzielle Entlohnung ohne Verspätung bekäme. Eine echte Erleichterung für mich.

 

Noch vor dem 15.5. reichte ich bei tredition sämtliche notwendigen Skripte und Cover ein, um auf jeden Fall im selbst gesetzten Terminplan für die Buchveröffentlichung zu bleiben.
Und was soll ich sagen? Auch hier kann ich nur bezeugen, dass dort schnell und zuverlässig gearbeitet wird: mein Baby, „Mit dem Gesicht zur Sonne“, erblickte das Licht der Welt am 19.5.2013
Und ja, es ist, als würde man ein Kind zur Welt bringen. Die Freude ist einfach unbändig und ich habe gezittert und geheult wie ein Schlosshund, als ich es endlich in meinen Händen halten konnte.

Morgen erzähle ich Dir, wie ich meine ersten offiziellen Schritte als Autorin in der Öffentlichkeit tat und dass man nicht unbedingt viele verschiedene Kontakte braucht, um in diverse Magazine und Zeitschriften zu gelangen.

 

 

(Dieser Text erscheint außerdem auf den Facebook-Fanpages „Dein Bucherfolg“ www.facebook.com/deinbucherfolg und „Mit dem Gesicht zur Sonne“ www.facebook.com/MitDemGesichtZurSonne)

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