Tag 2 „Vom No-Name-Autor zum Doku-Film“

Mit Vollgas ins Tun

Okay.
Meine CrowdFunding-Finanzierungsphase konnte losgehen!
Ich weiß noch genau, dass ich mir extra ein Zitat von Goethe an den Monitor gehängt hatte: „Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!“
Wer nämlich meint: „Naja, da sagt man ein paar Bekannten Bescheid, die teilen das Projekt dann und ratzfatz hast Du die Mäuse zusammen“, dem sei gesagt: Weit gefehlt!
Es begann für mich eine 3-monatige Zeit mit zusätzlichen Nachtschichten zu meiner normalen Arbeit.
Selbstverständlich nicht alle ausschließlich wegen des CrowdFundings. Wohl aber, weil alles noch zu meiner Intensiv-Mamazeit (Silas war 1 ½ Jahre alt) und zur parallelen Fertigstellung meines Buches stattfand.
Und dann wollte ich ja auch noch mein Marketing vorantreiben – schon im Vorfeld der Veröffentlichung!

Frech kommt weiter

Da ich mir tatsächlich einen richtigen Marketing-Plan erstellt hatte, galt es nun also, diesen Stück für Stück abzuarbeiten.
Als erste Anlaufstellen hatte ich mir die Regional-Presse vorgenommen. Ich bat meine hilfsbereite Freundin Alexandra Dullinger um Unterstützung, denn ehrlich gesagt hatte ich nach 2 ½ Jahren im Passauer Umland noch nicht wirklich den Durchblick, welche Zeitungen und Magazine hier gerne gelesen werden. Alex wusste das aber. Und viel wichtiger: sie wusste auch, wo die Büros der Zeitungen waren!

Jetzt hätte man natürlich – was ich selbst auch in jedem Falle anderen Autoren raten würde! – Termine zur persönlichen Vorstellung ausmachen können.
Klar, hätte man.
Man hätte aber auch einfach an einem sonnigen Tag im März 2013 ins Zeitungsgebäude marschieren, an der Rezeption offensiv-freundlich nach einem zuständigen Redakteur fragen können. Und einfach mal Glück haben, dass exakt dieser gerade Zeit und vor allem Lust hatte, sich meine Geschichte anzuhören.

Ich werde nie vergessen, wie Herr Greiler vom Passauer Wochenblatt Alex und mir freundlich einen Platz anbot, sich in seinem Bürostuhl nach hinten lehnte und die Arme vor seinem Bauch verschränkte.
„Dann erzählen Sie mal!“
Ich legte los.
Von meinem CrowdFunding berichtete ich. Und von meinem Buchvorhaben, was eine Biographie, ein Mutmach-Buch werden solle.
Er saß immer noch unbewegt in derselben Position und fragte: „Und was soll das für ein tolles Buch werden, dass ich darüber berichten soll?“
Und dann erzählte ich meine Geschichte.
Erst in ein paar Sätzen grob zusammengefasst. Quasi wie ein Klappentext.
Herr Greiler richtete sich auf und saß nun kerzengerade im Stuhl.
„Aha! Beschreiben Sie mal etwas ausführlicher!“
Das tat ich.
Und Herr Greiler zückte nach ungefähr 2 – 3 Minuten seinen Stift und einen Block und schrieb mit. Da wusste ich, ich hatte gewonnen!
„Das ist ja wirklich unglaublich! Und das ist IHRE Lebensgeschichte?“
„Ja“, antwortete ich, „aber es geht noch weiter.“

Der halbseitige Artikel im Passauer Wochenblatt erschien am 20.03.2013 und war meine erste Presse-Präsenz. Das hatte mich wirklich umgehauen.

Übrigens pflege ich bis heute mit Hr. Greiler eine intensive Kommunikation. So wird er von mir beispielsweise grundsätzlich als erstes informiert, wenn sich bei mir wieder etwas Neues tut.
Ich vergesse nicht, wenn mir jemand geholfen hat.
Und das wiederum freut ihn sehr.

 

Frech funktioniert aber nicht immer

Dennoch war ich mir bewusst, dass Herr Greiler und sein Interesse an meiner Geschichte ein Glücksgriff war. Bei anderen Zeitungen und Magazinen bin ich hingegen auch locker und oft abgeblitzt. So auch bei der großen Tagespresse im Passauer Umland, der PNP.
„Wissen Sie, erstens kennt Sie niemand und zweitens haben wir gerade schon über ein CrowdFunding-Projekt berichtet. Da geht es um einen Film, das interessiert die Leute mehr. Und wissen Sie eigentlich, wie viele Leute mittlerweile ein Buch schreiben? Wenn ich da über jeden schreiben müsste…“

In so einem Fall zuckt man mit den Schultern und zeigt Verständnis. Aus der Sicht der Redakteurin ja absolut nachvollziehbar.
Auch einige andere regionale Boulevard-Magazine kamen mit den abenteuerlichsten Vorstellungen. Dass ich zum Beispiel eine zumindest viertelseitige Anzeige buchen müsse, dann könne man auch über einen Bericht nachdenken, war eine der vielen Varianten.
Mein Tipp an alle Autoren: Finger weg davon! Übt euch lieber in Geduld. Wird euer Buch in anderen Magazinen besprochen, kommen sie eh wieder auf euch zu.
Weitermachen und Abweisungen nicht als Grund zum Aufgeben nehmen!

Denn sogar überregional wurde über mein Buch-Projekt geschrieben.
Ich wandte mich nämlich im nächsten Schritt an die HNA, die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine mit Sitz in Kassel. Zwar über 500 km weit entfernt von meinem Wohnort, jedoch einer der zentralen Regionen in meinem Buch.
Ich kontaktierte ganz bewusst den Redakteur, der bei der Gerichtsverhandlung, die in meinem Buch beschrieben wird, der berichtende Chef-Redakteur war. Der Fall war ihm durchaus noch im Kopf, war er doch sehr außergewöhnlich.
Und auch hier schlug mir hohes Interesse entgegen, was in einem Artikel im April 2013 endete.

 

Sympathie und Löwenmut

Mein Marketing-Plan sah noch so einige Akquisearbeit für mich vor. Und einige davon bedurften einer gehörigen Portion an Mut und Sympathie gepaart mit Selbstüberzeugung.
Hierzu zähle ich ganz klar meine Anfrage an die Bayern-3-Radio-Sendung „Mensch, Otto!“.
In diesem Format interviewt Thorsten Otto äußerst kurzweilig Promis und Nicht-Promis in einer einstündigen, fast täglichen Sendung. Wirklich und wahrhaftig immer wieder hörenswert.

Ich suchte mir über die Sender-Website eine Kontakt-Mailadresse und schrieb einfach hin.
Betreff: Ich glaube, ich passe in Ihre Sendung!
Im weiteren Text beschrieb ich mein Projekt, mein Buch und alles, was dazugehörte. Das wichtigste: ich tat das frisch und frei, so als würde ich es live erzählen. Denn immerhin – so schlussfolgerte ich – würde man dies ja auch im Radio machen müssen.

Es vergingen einige Tage, ich weiß nicht mehr, wie viele, bis ich eine Antwort bekam. Betreff: Wir glauben auch!
Wir vereinbarten einige Vorab-Telefonate und kamen überein, dass wir bis zur Veröffentlichung des Buches warten wollten, um dann auch in der Sendung darüber erzählen zu können. Voraussichtlich also im Juni 2013.
Bingo! Werbung für mein Buch in einer der beliebtesten Radio-Sendungen Bayerns!
Das gab Aufwind.

 

Mehr als genug zu tun

An dieser Stelle muss ich daran erinnern, dass während all der Marketing-Arbeit, zu der auch das Konzipieren, Drucken und Verteilen von Flyern und Postkarten als Werbung für mein CrowdFunding gehörte, das Buch ja auch noch fertig geschrieben werden musste.

Mein Anspruch an mich selbst war, dass ich keines der Trash-Selfpublishing-Bücher werden wollte. Mein Buch sollte lektoriert und professionell gestaltet werden, ein hochwertiges Buch mit hochwertigem Inhalt.
Ich fand drei Freiwillige in meinem Freundeskreis, die sich bereit erklärten, ein Vorablektorat zu machen, damit es der bezahlte, professionelle Lektor dann einfacher hatte.

Achtung, Autoren! Dies ist ein Vorgehen, das nicht jeder Lektor mag. Ich hatte das aber abgeklärt, denn bei der Wahl meiner freiwilligen Lektoren hatte ich ein besonderes Augenmerk auf mehrere Dinge:
1.    Die Freunde mussten überdurchschnittlich gut der deutschen Sprache mächtig sein
2.    Die Freunde mussten völlig gemischt in Alter und Geschlecht sein (Zielpersonen-Definition: WER soll Dein Buch lesen? Dann such auch danach Deine Freunde-Lektoren aus!)
3.    Die Freunde durften noch nicht alle Zusammenhänge meiner Biographie kennen, sollten also die Geschichte erst beim Lesen begreifen und verfolgen
4.    Die Freunde mussten – und das war der wichtigste Punkt – knallhart im Zerpflücken und zerreißen des Rohmanuskriptes sein

Der Abschluss-Lektor dankte es, denn er sagte, dass alle wirklich gute Vorarbeit geleistet hätten. Das machte es für mich dementsprechend auch finanziell günstiger, weil schon etliche Rechtschreib-Patzer und Logik- oder Zeitabfolge-Fehler korrigiert wurden. Denn wer das Buch schreibt, hat die Geschichte und alle Zusammenhänge im Kopf. Der Leser jedoch nicht, der taucht in eine komplett neue Welt ein.

 

Denn das Gute liegt so nah

Bei der Suche nach Layouter und Grafiker für Buchsatz und Cover-Gestaltung hatte ich zunächst echte Probleme. Entweder waren sie zu teuer, oder aber bis auf lange Sicht ausgebucht. Ich gebe zu, dass es auch einige gab – aus beiden Kategorien -, die mir einfach nicht sympathisch waren. Und eine Regel in meinem Leben lautet: Vertraue Deinem Bauchgefühl!
Denn mir war bewusst, dass ich einige Zeit mit Grafiker und Layouter zusammenarbeiten würde.

Eines Nachts ereilte mich dann der Geistesblitz! Ich hatte immer nur ins Außen geschaut, aber nicht einmal hatte ich innerhalb meiner zwar noch kleinen, aber feinen Facebook-Community gefragt! Jaaaa – da hätte man auch gleich drauf kommen können, ich weiß. Aber ich war zu der Zeit einfach zu verkopft und verplant.
Und so fand ich in meinem engen und persönlichen Freundeskreis einen Layouter: Norbert Bach. Ein toller Fotograf und eben auch Layouter, hier zu sehen: www.norbertbach.de .
Ich fragte ihn, er sagte zu. So einfach konnte es sein.

Jetzt hieß es noch, einen Grafiker fürs Cover zu finden. Norbert hatte mit dem Buchsatz genug zu tun, denn es gab viele Grafiken im Buch, die anzupassen und somit als Zeitungsartikel erkennbar gemacht werden mussten.
Und wieder forschte ich auf Facebook und stieß über eine gemeinsame Bekannte auf Jana.
Jana präsentierte auf Facebook einige ihrer Zeichnungen und Skizzen und ich war hin und weg. Was die Frau konnte, war schlicht der Wahnsinn! Also nahm ich zaghaft Kontakt auf, wohlahnend, dass eine Künstlerin dieser Qualität mich wohl eine Heidenstange Geld und demnach finanzielles Verhandlungsgeschick kosten würde.

Jana antwortete ziemlich schnell.
Und dann stellte ich im Gespräch fest: Jana war gerade einmal 16 Jahre alt! Der absolute Hammer und nicht zu fassen, wenn man ihre Bilder sieht!
Da war es für mich eh klar: einem jungen Künstler eine Chance zu geben an etwas Großem beteiligt zu sein – logo!
Was das Finanzielle betraf, so sagte ich ihr, dass ich ihr genau das geben würde, was ich bei den anderen Grafikern auch gesagt hatte.
Sie willigte ein.
Die Zusammenarbeit mit ihr war phantastisch! Denn was ganz viele nicht ahnen oder wissen: das Front- sowie das Backcover meines Buches sind gezeichnet!
Und ich sehe förmlich vor meinem geistigen Auge, wie einige jetzt das Buch hervorholen und fasziniert darauf schauen. Ja – dieses Cover ist keine Fotographie! Das einzige, was dort fotografiert ist, ist meine Silhouette, die geschwärzt wurde.

Jana zeichnet unter anderem digital mit Photoshop. Dadurch machte sie es mir möglich, ihr bei ihrer Arbeit mit Hilfe eines Screenshare-Programms via Internet zuzuschauen und gemeinsam mit ihr alles zu entwickeln. Denn es war zum Beispiel lustig, dass sie sich zwar meine Vorstellung eines Sonnenaufgangs fürs Cover vorstellen konnte. Wohl aber hatte sie in ihrem jungen Leben noch keine Sonnenfinsternis erlebt, die ich für die Buchrückseite haben wollte. Sie musste sich über Bilder im Internet überhaupt erst einmal informieren, wie das genau aussieht.
Auch Jana findet ihr mit ihrer Fanpage auf Facebook. Schaut mal rein und seid fasziniert, wie ich es immer noch bin: www.facebook.com/tichwinsart
Die junge Lady freut sich übrigens tierisch über „Gefällt mir“s.

 

Alles, was Recht ist

Der mit Sicherheit größte finanzielle Brocken würde der Anwalt werden. Da meine Biographie auch Beschreibungen von noch lebenden Personen enthält – wenn auch pseudonymisiert – wollte ich auf Nummer Sicher gehen. Ein Anwalt sollte das Roh-Manuskript auf eventuelle Persönlichkeits-Rechts-Verletzungen überprüfen.
Ich hatte zu früherer Zeit bereits mit dem Rechtsportal frag-einen-anwalt.de gute Erfahrung gemacht und schaute hier, wer in diesem Fachbereich in Frage käme.
Flugs gefunden, direkt kontaktiert und prompt eine Antwort erhalten. Rechtsanwalt Hoffmeyer aus Hannover war supersympathisch und machte es mir leicht, mit ihm zusammenzuarbeiten. Außerdem lag er im für mich bezahlbaren Rahmen, wenn, ja, wenn das CrowdFunding erfolgreich werden und ich 6.000 Euro zusammenbekommen würde.

Das Projekt lief, aber ich machte derart viel Werbung dafür, dass ich mich schon fast selbst als nervig empfand.
Und dennoch gab es viele Menschen, die mich immer wieder unterstützten und all ihre eigenen Kontakte mobilisierten, mir zu helfen.
Innerhalb des Blogs auf StartNext stellte ich als neuestes Goodie eine Lesung aus dem unlektorierten Rohmanuskript ein. Ich wollte, dass die Menschen um die Brisanz meiner Biographie wussten und dadurch motiviert wurden, mein Herzensprojekt möglich zu machen.
Hier kannst Du die Lesung nachhören bzw. anschauen. Ach ja: das dort verwendete Intro enthielt noch eine Cover-Vorlage, an der ich mich orientiert hatte, sollte aber bald durch mein eigenes Cover ersetzt werden.

 

Morgen erzähle ich Dir, wie die ersten großen Marketing-Verknüpfungen ohne mein Zutun zustande kamen. Außerdem geht das CrowdFunding-Projekt in die spannende Endphase.

 

(Dieser Text erscheint außerdem auf den Facebook-Fanpages „Dein Bucherfolg“ www.facebook.com/deinbucherfolg sowie auf „Mit dem Gesicht zur Sonne“ www.facebook.com/MitDemGesichtZurSonne )

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